Die Magersucht – Schleichende Zerstörung des Körpers

Magersüchtige Patienten leiden unter einer gravierenden Körperschema-Störung und empfinden sich subjektiv als zu dick. Sie streben nach einer perfekten schlanken Figur und verlieren dabei jedes Maß aus den Augen. Sie meiden gemeinsame Mahlzeiten, um mit ihrem extremen Essverhalten durch die Magersucht nicht aufzufallen und ziehen sich sukzessive aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Das Essen und die Kontrolle darüber bestimmen das Denken und Handel und werden zum bestimmenden Lebensinhalt. Die Patienten ziehen paradoxerweise aus der Zerstörung ihres Körpers durch Abmagerung positive Gefühle von Macht und Selbstbestimmung, die sie in ihrem Leben anderweitig nicht erleben können.

Typische Verhaltensauffälligkeiten bei Magersüchtigen

Jedes Gramm Gewichtszunahme wird als großes Unglück und persönliche Niederlage empfunden und muss unbedingt vermieden werden. Zu diesem Zweck ziehen sich die Patienten nach dem Essen mitunter auf die Toilette zurück, um die Nahrung wieder zu erbrechen und so dem Körper die Kalorien wieder zu entziehen. In Einzelfällen wird dem subjektiven Gefühl des Dickseins mit der Einnahme von Abführ- und Entwässerungsmitteln begegnet, die dem Körper Flüssigkeit und wertvolle Elektrolyte rauben – und das Gewicht weiter reduzieren.

Umgang mit betroffenen Angehörigen

Der Umgang mit anorektischen Patienten erfordert ein hohes Maß an Sensibilität und Geduld. Der verständliche Wunsch, der Magersüchtige möge einfach wieder mehr essen, ist verständlich, bringt aber keine Besserung. Die Betroffenen empfinden dies als Anschlag auf ihre Selbstbestimmung und verschließen sich erst recht. Angehörige sollten sich stets ansprechbar und hilfsbereit zeigen und beispielsweise ihre Unterstützung bei der Suche nach einem kompetenten Therapeuten anbieten. Es wäre falsch das eigene Leben aufzugeben, nur um sich ganz den Bedürfnissen des Patienten zu widmen, diese übertriebene Fürsorge, wirkt kontraproduktiv und endet in einer Co-Abhängigkeit.